Stoffy’s Weblog

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Der lange versprochene Bericht

Lang, lang ists her. So fühlt es sich jedenfalls an. Immerhin bin ich ja auch schon über ein halbes Jahr wieder im schönen Deutschland. Für den einen mag das eine lange Zeit sein, ein anderer wird sagen: „pfff, was sind schon 6 Monate“.

Ich bin diesbezüglich sehr gespalten. Einerseits könnte ich ganze Bücher füllen mit Geschichten die ich seit meiner Rückkehr erlebt habe. Andererseits ist Vietnam,  immer wenn ich mit Vietnam konfrontiert werde, so nah als sei  ich erst gestern abgereist. Ich muss nur auf einer Speisekarte „Pho ga“ entdecken und schon zerreist es mir beinahe das Herz und ich komm aus dem Grinsen nicht mehr raus. Und so liegt es auch nahe, dass mein wöchentlicher Vietnamesischkurs  immer wieder einer meiner Höhepunkte ist. Es bereitet mir immer noch soviel Spaß mich der Sprache hinzugeben. Fast jeden Tag schau ich mir meine Wörter an und bin fleißig am lernen. Fast schon zu viel wenn ich mir, im Vergleich dazu, die Zeit anschaue, welche ich für Uni-Dinge „opfer“. Ein komisches Gefühl so weit weg von Vietnam zu sein, trotzdem aber soviel Energie zu haben um die Sprache tagtäglich zu lernen. Leider habe ich hier noch so gut wie kein Kontakt zu  potentiellen Sprachpartnern. Ich weiß nicht warum, aber ich schaff es einfach nicht Leute auf vietnamesisch anzuquatschen. Obwohl es oft so einfach wär. Xau ho – wie man im vietnamesischen sagen würde.

Aber nun zu dem eigentlichem Anlaß dieses Beitrages: Immer mal wieder werde ich darauf angesprochen, dass ich doch einen finalen Beitrag versprochen hätte. Was ich nicht leugnen kann. 🙂 Also möchte ich meine letzten Tage/Wochen nocheinmal aufrollen.

Die letze Zeit war sehr intensiv. Ich fühlte mich innerlich dazu verplichtet jede Sekunde zu genießen. Im nachhinein finde ich es mannchmal schade, dass ich nicht bis zum bitteren Ende dageblieben bin, sondern schon früher abgereist bin. Aber was will man machen ohne jede Arbeit? Die Sommerferien haben schon sehr früh angefangen und danach war einfach nichts mehr zu tun. Ich habe die letzten Wochen damit verbracht die Kinder im SOS Dorf zu besuchen und mit Ihnen zu spielen. Außerdem war ich noch ein paar Mal in Hanoi um Freunde in der Uni zu besuchen, die ich leider erst viel zu spät kennengelernt habe. Sport und Kunststudenten, welche doch ein anderes Bild von Vietnam haben wie die meisten anderen Vietnamesen. Zumindestens  konnte man mit den Künstlern offener über das Land reden. Auch wenn ihr Englisch leider sehr sehr schlecht war. Allein schon deshalb ist es schade, dass ich erst so spät einen innigeren Kontakt zu ihnen aufgebaut habe, durch die Studenten hätte ich sicherlich mehr vietnamesisch gelernt. Ein paar sehr nette und vor allem weltoffene(re) Menschen.

Die letzten 2 Wochen durfte ich dann ein Workcamp begrüßen, in meinem wunderbaren Städchen Viet tri. Eine multikulturelle Truppe mal wieder. Koreaner, Schweizer, Spanier, Weißrussen, Japaner, Vietnamesen,… Ein sehr sehr lustiger Haufen mit denen ich noch viel Spaß hatte vor meiner Abreise. Ein durchaus würdiges Ende meines Vietnam-Abenteuers. Back in Germany hab ich es dann ersteinmal wieder genossen bei meiner Familie zu sein. Bei meinen geliebten Brüdern, Eltern und natürlich der kleine Enya und ihrer Mama Katja. Das Vietnamfeeling hab ich vollkommen auf meinen Alltag übernommen.  Morgends ein bisschen gearbeitet, mittags faul in den blauen Himmel geguckt. Dann kam der große Schnitt. Plötzlich musste ich mich um einen geeigneten Studienplatz und später um eine geeignete Wohnung kümmern. In beiden Fällen eine durchaus gelungene Wahl. Ich fühl mich sehr wohl ein meinem neuen Leben und es hat durchaus Vorteile die Rübe mal wieder richtig qualmen zu lassen. Auch wenn  die Motivation sehr schwankend ist, hab ich doch viel Spaß an meinen neuen Aufgaben. Es ist einfach meine Pflicht mein Studium vernünftig zu absolvieren. Immer wieder wird mir bewusst wie überpriviligiert wir in Deutschland doch sind und was für eine tolle Ausbildung jeder einzelne von uns genießen kann. Ich wunder mich stark darüber, wie viele Mitstudenten nur am meckern sind und wie nach einem Semester schon 30% das Handtuch schmeißen. Alles scheiße, alles schlecht. Wie viele junge Leute würden alles dafür geben, so gefördert zu werden wie wir.

Rückblickend gibt es nur noch zu sagen, dass es eine wahnsinnig tolle Zeit war in Vietnam. Und ich freu mich jetzt schon riesig darauf wieder hin zu fliegen und all meine Freunde zu sehen und zu bestaunen wie auch dort mit der Zeit seine Wunder vollbringt. So hat meine damalige Köchin mittlerweile geheiratet und ist sogar schon schwanger. Hoch und heilig hatte ich ihr versprochen bei Ihrer Hochzeit dabei zu sein, leider war es zeitlich gesehen nicht gut abgestimmt. Auch die Frau, in die ich damals verknallt war hat sich in den Hafen der Ehe begeben. Einige die ich als Schüler kenne, sind jetzt am Studieren – einige Studenten sind im Beruf. Meine ehemaligen Kollegen kaufen sich reihenweise Autos. Schon verrückt wie schnell das alles geht. Ich bin sehr sehr gespannt auf all die Dinge die ich, 9000km entfehrnt, gar nicht mitbekomme. Hoffentlich erkenne ich das Land überhaupt wieder, wenn ich in wenigen Wochen wieder in dem 2.schönsten Land der Welt bin. Vielleicht werde ich meine Eindrücke dann hier festhalten.  Es ist doch immer wieder schön, sich mal hinzusetzten, sich die Zeit zu nehmen und einfach ein bisschen zu schreiben und vor allem ist es schön sich später durch Bilder und Texte sich all der schönen Geschichten wieder bewusst zu werden. Sehr schade, wenn man sowas einfach vergisst um nur noch dem Alltag hinterher zu hecheln.

In diesem Sinne, danke an alle Leser.

Der größte Dank geht doch an all die Leute die mich unterstüzt haben. Finanziel sowie moralisch und an all die Leute in Vietnam, welche all die Zeit unvergesslich gemacht haben.  Allen voran Mama Luong, Thoa, Oli, Hisar und Malte. Vielen lieben Dank dafür!!

Gerne hätte ich euch noch ein paar Bilder der letzen Tage gezeigt aber aus irgendeinem komischen Grund, kann ich keine finden. Vielleicht hab ich auch gar keine gemacht. Soviel zum Thema Vergessen! 😀

Love you all!

Christoph

4. Februar 2010 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar