Stoffy’s Weblog

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Ein Tag in der Schule

Es ist 6 Minuten nach 7 – ich sitze gerade am Lehrerpult einer 12. Klasse und warte darauf, dass ich anfangen kann zu unterrichten . Bevor die Stunde für mich losgehen kann will die eigentliche Lehrerin 20 Minuten mit der Klasse haben. Die heiße „Endphase“ hat begonnen. Nicht nur für mich, auch für die Schüler der 12. Klasse die sich in ihrem letzten Schuljahr befinden. Ich glaube es geht gerade um den nächsten und gleichzeitig letzten Englischtest der demnächst ansteht. Mein Vietnamesisch reicht leider nicht aus um alles zu verstehen. Die Schüler machen auf mich den Eindruck als ob sie so viel verstehen wie ich oder es ist ihnen einfach egal. Totzdem antwortet die ganze Klasse regelmäßig lautstark im Chor mit „vang“ was so viel bedeutet wie „Ja“. Das höfliche Ja.

Mittlerweile ist es 20 nach 7 und ich kann immer noch nicht anfangen. Draußen ist es um diese Uhrzeit schon wärmer als in Deutschland im Hochsommer. Die 5 Deckenventilator laufen auf Hochtouren. Einer davon ist ganz alleine für mich, den Lehrer. Die Schüler haben auf Grund des Orkans der von den Ventilatoren erzeugt wird mühe die Blätter beisammen zu halten welche die Lehrerrin gerade austeilt bzw. austeilen lässt. Bloß nicht zu viel tun – das Motto vieler Lehrer. Immer mal wieder fliegt ein Blatt wie ein Papierflieger quer durch das Zimmer. In 4 Stunden, am Ende meines heutigen Arbeitstages wird es hier so heiß sein, dass mir der Schweiss bei jeder Bewegung in sturzbächen vom Körper laufen wird. Mein Hemd wird übersäht sein mit Schweissflecken die schon gar keine Flecken mehr sind. Mehr Nasse als trockene Stellen. Genau das richtige Wetter um baden zu gehen. Leider ist in den 3 öffentlichen Schwimmbädern der Stadt immer noch kein Wasser. Nach dem Unterricht geht es nach Hause – Mittagessen. Ich bin mal wieder ohne Essen aus dem Haus gegangen weil ich, wie so oft, zu knapp aufgestanden bin. Aber das kenn ich ja noch all zu gut aus meiner Zeit als Schüler. Gut dass es direkt neben der Schule einen kleinen Imbiss gibt. Vielen Schülern geht es besimmt ähnlich wie mir aber sie haben im Gegensatz zu mir nicht die Möglichkeit das Schulgelände zu verlassen. Nur im Krankheitsfall oder mit besonderer Genehmigung. Weil sie aber trotzdem Hunger haben bietet der Imbiss einen „schmeiß-Geld-über-die-Mauer-dann-schmeiß-ich-was-zum-Essen-rüber“ Service an. So hört man regelmäßig, wärend man beim essen sitzt ein lautes „co oi! – mot bang my“ (Huhu! – Ein Sandwich bitte). Dem Ruf folgt dann eine 5.000 Dong Note über die 3 Meter hohe Mauer. Daraufhin wird ein Sandwich fertig gemacht, in eine Tüte gepackt und mit einem langen Stock über die Mauer befördert. Komischerweise scheint das niemand zu stören.

Jetzt ist es 9.25 – ich habe eine halbe Stunde Pause. Ich sitze auf einer Parkbank mitten auf dem Schulhof und lasse es mir im Schatten der kleinen Bäume gut gehen. Gerade haben 2 Schulklassen Sportunterricht. Einen Sportplatz mit 400 meter Bahn, Sprunggrube, etc. gibt es hier nicht. Hier gibt es nur den von 4 Gebäuden eingerahmten Schulhof. Der Sportunterricht sieht so aus: Die Jungs spielen – wie immer – Fußball. Die Mädchen machen Staffellauf, Hochsprung, Badminton oder sitzen so wie ich im Schatten und ruhen sich aus. Der Lehrer sitzt bequem auf einem Stuhl, ebenfalls im Schatten, und wirkt dabei wenig interressiert. Soeben „trommelt“ es zur Pause (hier gibt es statt einer Schulglocke eine Schultrommel). Das Zeichen für mich das Laptop zu verstauen und ins Lehrerzimmer zu gehen.

11 Uhr – ich sitze zu Hause in meinem „Wohnzimmer“ und bin ziemlich geladen. Die letzte Stunde war grauenhaft. 56 Schüler die einfach nicht aufgehört haben laut zu sein und gar nicht daran dachten mit zu arbeiten. Mannchmal stoße ich echt an meine Grenzen in den Klassenzimmern. Trotz Strafarbeiten, 2 Schülern die ich rausgeschickt habe und mehrmaligem ermahnen hat es heute einfach nicht geklappt. Daraufhin habe ich die Stunde knappe 10 minuten früher beendet als geplant und den Schülern gesagt, dass ich so nicht unterrichte. Das hat die Klasse ein bisschen betroffen gemacht. Einige sagten leise „sorry“ aber kurz später waren sie wohl einfach glücklich, dass sie früher heim durften. 1 zu 0 für die Schüler. Woran es gelegen hat weiß ich nicht. Einerseits ist die Luft vllt. ein wenig raus auf Grund der nahenden Sommerferien. Zudem war es die letzte Stunde und bei dem Wetter fällt es sicher vielen schwer sich zu konzentrieren. Morgen geht es in die nächste Runde. Ich bin jetzt schon gespannt wie viele Schüler die Strafarbeit gemacht haben und wie viele sie „vergessen“ haben. In solchen Stunden wie diesen bin ich echt stark am Zweifeln ob der Lehrerberuf wirklich das richtige für mich ist. Aber das muss ich ja jetzt noch nicht entscheiden.

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5. Mai 2009 - Posted by | Uncategorized

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