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Der April

Eigentlich wollte ich die freie Zeit heute morgen in der Schule dazu nutzen meinen „Der April“ Artikel zu schreiben. Aber wie ihr seht hat das nicht so ganz geklappt.Dann halt jetzt.

Angefangen hat der Monat für mich mit einer Fahrt zum Flughafen Noi Bai. Mit Gribbeln in den Beinen stand ich also um 10 Uhr morgends am Flughafen und hab auf meine Mama und ihren Freund Rainer gewartet. War ich froh mal wieder bekannte und vertraute Gesichter aus Deutschland zu sehen. Nachdem man sich erst einmal freudig bergrüßt und in die Arme genommen hatte war es eigentlich auch wieder so als wäre der Tag an dem ich mich in Waldsee verabschiedet hatte gestern gewesen. Wir sind dann gleich mit dem ersten Bus ab nach Viet tri – meiner „Heimatstadt“. Im Bus wurden wir, wie so oft wenn man eine größere Gruppe ist und viel Gepäck dabei hat, übers Ohr gehauen. Obwohl ich mittlerweile ganz ordentlich Vietnamesisch spreche und die Preise auf der Strecke kenne wollte er einfach nicht mit dem Preis runtergehen. Nachdem wir in Viet tri alles Sehenswerte gesehen haben ging es mit dem Bus weiter in die berühmte Ha Long Bucht. Scheinbar unendlich viele Kaltsteinfelsen ragen dort aus dem Wasser. Wir haben eine Nacht in der Bucht auf dem Boot verbracht und uns dann auf der Insel Cat ba absetzen lassen. Nach Sapa ist das, meiner Meinung nach, der schönste Fleck Vietnams. Bei schlechtem Wetter ist man aber ziemlich aufgeschmissen dort. Wir haben uns an einem Tag 2 Motorräder gemietet um die Insel zu erkunden. Nach 2 bis 3 Stunden hat man dann aber auch jede Ecke der Insel gesehen die mit dem Motorrad erreichbar ist. Irgendwann haben wir die Räder abgestellt und sind zu Fuss weiter. Die Insel ist in 2 Teile geteilt. Die Hälfte ist überzogen mit Hotels und Strassen – die andere ist Nationalpark. Dort kommt man eben nur zu Fuss weiter. Auserdem kann man noch an den Strand. Mehr gibts auf der Insel eigentlich nicht zu sehen. Bei schönem Wetter ist die Insel, für ein paar Tage lang, ein Traum. Nach Cat ba ging es nach Hanoi und die knappe Woche mit meiner Mama wahr auch schon vorbei. Ich musste wieder zurück nach Viet tri und meine Mama und Rainer sind mit dem Zug weiter nach Zentralvietnam. Ein sehr schöner Urlaub der rückblickend betrachtet zu kurz wahr. Aber lang ist es ja nicht mehr bis die Heimreise nach Deutschland ansteht.

Obwohl ich mir da mal wieder nicht so sicher bin. Letzte Woche wollte ich eigentlich einen Flug auf anfang/mitte Juni buchen. Ich hab es aber nicht geschafft weil ich die Öffnungszeiten nicht beachtet hatte. Vor 2 Tagen jedoch habe ich in Viet tri einen Ausländer (ihr habt richtig gelesen – noch ein Ausländer in Viet tri – ein Wunder) kennengelernt, der ein Sommerlager für Kids in Viet tri mitorganisiert und dafür noch Plätze für Englischlehrer und freiwillige Betreuer frei hat. Hört sich alles sehr spannend an was er so erzählt. Somit ist meine frühe Heimkehr mittlerweile wieder fragwürdig geworden. Mal sehen wie es sich in den nächsten Tagen noch entwickelt. Meine eigentliche Arbeit ist jedenfalls in wenigen Tagen vorbei.Wahrscheinlich ist dies meine letzte Woche in der Schule. Danach stehen nur noch Klausuren und so an.

Anfang April war zudem noch das lang ersehnte Hung König Festival. Jedes Jahr pilgern tausende von Vietnamesen nach Viet tri um die Mitbegründer des vietnamesischen Volkes zu ehren. Die normalerweise ruhig und in einem Waldstück gelegene Tempelanlage stand kopf. Tausende von Menschen drängen sich auf den Rundweg, vor den Tempeln bilden sich lange Schlangen, ohne ausgefahrene Ellenbogen kommt man nicht zum beten, jeder schuppst und drängelt, etliche Lautsprecher brüllen in den schönen baumbedeckten Berg, alle 5 Meter verkaufen Leute Eis, Pfeifen, Süssigkeiten, Kopfkissen (keine Ahnung wozu?), allerlei Plastikzeugs und vieles mehr. Am Fuss des Berges findet das Rahmenprogram statt. Zahlreiche Plätze zum essen, trinken und Karaoke singen. Ausserdem fanden Theatervorführungen und Sportveranstalltungen statt. Sogar ein kleiner Rummelplatz wurde aufgebaut. Ein sehr cooler Rummel mit Schießbuden, Dosenwerfen, Boxauto, „Riesenrad“ und – wie kann es anders sein – haufenweise Glückspielen. Hört sich an wie auf dem Stadtfest in Waldsee aber wirklich vergleichen kann man das nicht. Alles ein paar Stufen ärmer – und vom deutschen TÜV haben die hier noch nichts gehört. Leider habe ich keine Bilder davon aber ich kümmer mich darum welche zu bekommen. Ansonsten ist nicht viel passiert in Viet tri. Alltag halt.

Momentan bin ich dabei mich an diversen Unis zu bewerben. Das ist ganz schön viel arbeit. Viel zeit- und nervenraubender als ich mir das gedacht habe. Wirtschaftspädagogik, Soziale Arbeit und Wirtschaftswissenschaften sind die Fächer auf die ich mich bewerben werde. Leipzig, Dresden, Münster, Hamburg und Mannheim die Städte. So ist jedenfalls der momentane Stand. Ich hoffe das beste und freu mich schon jetzt auf meine Zeit an der Uni.

Das wars schon wieder mit dem monatlichem Bericht.

Bis bald und mit allerbesten Grüßen

Christoph

Entschuldigung für die Fehler die ich regelmäßig in meine Texte einstreue. Es ist hier im Cafe nicht ganz einfach konzentriert zu schreiben.

5. Mai 2009 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Ein Tag in der Schule

Es ist 6 Minuten nach 7 – ich sitze gerade am Lehrerpult einer 12. Klasse und warte darauf, dass ich anfangen kann zu unterrichten . Bevor die Stunde für mich losgehen kann will die eigentliche Lehrerin 20 Minuten mit der Klasse haben. Die heiße „Endphase“ hat begonnen. Nicht nur für mich, auch für die Schüler der 12. Klasse die sich in ihrem letzten Schuljahr befinden. Ich glaube es geht gerade um den nächsten und gleichzeitig letzten Englischtest der demnächst ansteht. Mein Vietnamesisch reicht leider nicht aus um alles zu verstehen. Die Schüler machen auf mich den Eindruck als ob sie so viel verstehen wie ich oder es ist ihnen einfach egal. Totzdem antwortet die ganze Klasse regelmäßig lautstark im Chor mit „vang“ was so viel bedeutet wie „Ja“. Das höfliche Ja.

Mittlerweile ist es 20 nach 7 und ich kann immer noch nicht anfangen. Draußen ist es um diese Uhrzeit schon wärmer als in Deutschland im Hochsommer. Die 5 Deckenventilator laufen auf Hochtouren. Einer davon ist ganz alleine für mich, den Lehrer. Die Schüler haben auf Grund des Orkans der von den Ventilatoren erzeugt wird mühe die Blätter beisammen zu halten welche die Lehrerrin gerade austeilt bzw. austeilen lässt. Bloß nicht zu viel tun – das Motto vieler Lehrer. Immer mal wieder fliegt ein Blatt wie ein Papierflieger quer durch das Zimmer. In 4 Stunden, am Ende meines heutigen Arbeitstages wird es hier so heiß sein, dass mir der Schweiss bei jeder Bewegung in sturzbächen vom Körper laufen wird. Mein Hemd wird übersäht sein mit Schweissflecken die schon gar keine Flecken mehr sind. Mehr Nasse als trockene Stellen. Genau das richtige Wetter um baden zu gehen. Leider ist in den 3 öffentlichen Schwimmbädern der Stadt immer noch kein Wasser. Nach dem Unterricht geht es nach Hause – Mittagessen. Ich bin mal wieder ohne Essen aus dem Haus gegangen weil ich, wie so oft, zu knapp aufgestanden bin. Aber das kenn ich ja noch all zu gut aus meiner Zeit als Schüler. Gut dass es direkt neben der Schule einen kleinen Imbiss gibt. Vielen Schülern geht es besimmt ähnlich wie mir aber sie haben im Gegensatz zu mir nicht die Möglichkeit das Schulgelände zu verlassen. Nur im Krankheitsfall oder mit besonderer Genehmigung. Weil sie aber trotzdem Hunger haben bietet der Imbiss einen „schmeiß-Geld-über-die-Mauer-dann-schmeiß-ich-was-zum-Essen-rüber“ Service an. So hört man regelmäßig, wärend man beim essen sitzt ein lautes „co oi! – mot bang my“ (Huhu! – Ein Sandwich bitte). Dem Ruf folgt dann eine 5.000 Dong Note über die 3 Meter hohe Mauer. Daraufhin wird ein Sandwich fertig gemacht, in eine Tüte gepackt und mit einem langen Stock über die Mauer befördert. Komischerweise scheint das niemand zu stören.

Jetzt ist es 9.25 – ich habe eine halbe Stunde Pause. Ich sitze auf einer Parkbank mitten auf dem Schulhof und lasse es mir im Schatten der kleinen Bäume gut gehen. Gerade haben 2 Schulklassen Sportunterricht. Einen Sportplatz mit 400 meter Bahn, Sprunggrube, etc. gibt es hier nicht. Hier gibt es nur den von 4 Gebäuden eingerahmten Schulhof. Der Sportunterricht sieht so aus: Die Jungs spielen – wie immer – Fußball. Die Mädchen machen Staffellauf, Hochsprung, Badminton oder sitzen so wie ich im Schatten und ruhen sich aus. Der Lehrer sitzt bequem auf einem Stuhl, ebenfalls im Schatten, und wirkt dabei wenig interressiert. Soeben „trommelt“ es zur Pause (hier gibt es statt einer Schulglocke eine Schultrommel). Das Zeichen für mich das Laptop zu verstauen und ins Lehrerzimmer zu gehen.

11 Uhr – ich sitze zu Hause in meinem „Wohnzimmer“ und bin ziemlich geladen. Die letzte Stunde war grauenhaft. 56 Schüler die einfach nicht aufgehört haben laut zu sein und gar nicht daran dachten mit zu arbeiten. Mannchmal stoße ich echt an meine Grenzen in den Klassenzimmern. Trotz Strafarbeiten, 2 Schülern die ich rausgeschickt habe und mehrmaligem ermahnen hat es heute einfach nicht geklappt. Daraufhin habe ich die Stunde knappe 10 minuten früher beendet als geplant und den Schülern gesagt, dass ich so nicht unterrichte. Das hat die Klasse ein bisschen betroffen gemacht. Einige sagten leise „sorry“ aber kurz später waren sie wohl einfach glücklich, dass sie früher heim durften. 1 zu 0 für die Schüler. Woran es gelegen hat weiß ich nicht. Einerseits ist die Luft vllt. ein wenig raus auf Grund der nahenden Sommerferien. Zudem war es die letzte Stunde und bei dem Wetter fällt es sicher vielen schwer sich zu konzentrieren. Morgen geht es in die nächste Runde. Ich bin jetzt schon gespannt wie viele Schüler die Strafarbeit gemacht haben und wie viele sie „vergessen“ haben. In solchen Stunden wie diesen bin ich echt stark am Zweifeln ob der Lehrerberuf wirklich das richtige für mich ist. Aber das muss ich ja jetzt noch nicht entscheiden.

5. Mai 2009 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar